Nord Nord Nord

Regentropfen auf dem Fenster. Draußen, auf der Trave, ziehen die Fährschiffe vorbei. Das wummern der PS- starken Motoren kündigt sie an, bevor sie sichtbar werden. Gemächlich ziehen sie die Travemünde hinauf, zum Fähranleger. . Hier auf dem Parkplatz (freies Stehen für Wohnmobile zwischen 18 und 10 Uhr, ohne Strom etc., dafür ganz nah dran) klötern Rollkoffer über den Schotter, auf dem Weg zum Hotel oder wohin auch immer. Ganz nah sind Leuchtturm und Strand, Wasser und die verwaisten Liegeplätze der Sportboote.

Die Lichter der Promenade leuchten lockend – komm, komm, mach einen Spaziergang. Weihnachtlich illuminiert sind die Trelche = Travemünde Elche. 3 Stück sind es, Vater, Mutter, Kind …. oder so. Nach ihrem Ausflug zum Lübecker Weihnachtsmarkt (Elche wandern ja bekanntlich gerne) sind sie wieder zurück in Travemünde und werden ausgiebig bewundert und fotografiert. Gosch … nicht auf Sylt, sondern in Travemünde. Ein Hauch von Sylt am Festland. Uns lockt er nicht, der Gosch. Weder hier noch dort. Gosch-Fans mögen uns verzeihen. Wir sind halt Ignoranten, Banausen, Geizlinge, Prinzipienreiter … was auch immer. Aber jeder wie er mag 😁.

Mich lockt dagegen die Ostsee, der Strand. Aber jetzt am Abend auch nicht mehr so recht. Scharf pfeift der Wind am Maritim Hotel über die Nordmole.  Lang zieht sie sich hinaus in die Ostsee. Gekrönt vom Leuchtfeuer, das landseitig von einer Lichterkette eskortiert wird, die nachtschwärmenden Landratten den Weg zur Spitze weist. Dahinter duckt sich der Strand. Hier, auf Höhe des Seebades noch breit, dann schnell schmaler zulaufend. Ein kleines Stückchen Ostseestrand, in der Saison muss man das Betreten bezahlen … Strand ist nicht immer für alle da. Verändert hat sich Travemünde. Lang ist es her, das ich von hier mit einer munteren Truppe Rheingauern auf Segelbooten der Segelschule Frank Lochte gestartet bin. Um in der Praxis zu üben, was uns die Theorie auf dem Clubschiff des RYC in Rüdesheim schon lehrte. Vom sonnigen Rheingau ins regnerische Travemünde. Nur wenig erkenne ich heute wieder. Den Teeladen in dem wunderschönen alten Haus an der Strassenecke. Aber wo zum Henker waren wir zum Abschluss essen, in welchem der Schuhgeschäfte hab ich die Gummistiefel erworben, gab es dieses Bauwerk da am Wasser seinerzeit auch schon??? Den Wohnmobilstellplatz gab es damals definitiv noch nicht. Oder doch und ich hatte einfach keinen Blick dafür?

Unvergessen sind meine ersten Verzweiflungsköufe angesichts der Regenfluten und sinkender Temperaturen: Gummistiefel und ein Fleecepullover mussten her. Zügig, damit ich nicht die Flucht ergriff.

 Dieses Mal bin ich besser gerüstet, dafür ohne Boot unterwegs. Mit einem Rolling Home, einer Rosinante an Land, die irgendwo in ihrem Frischwassersystem ein Leck hat und das kostbare Nass einfach unter sich in den Staub des Parkplatzes laufen lässt. Inkontinenz gibt es also auch bei älteren Wohnmobil-Damen … haben wir doch falsch oder zu spät eingewintert??? Bei uns scheint es das automatisch öffnende Entwässerungsventil des Durchlauferhitzers zu sein. Ab einer bestimmten Temperatur wird darüber entwässert, um Schäden an der Technik zu vermeiden. Technik, die nicht begeistert, sondern grad etwas schockt.

Uns zieht es weiter. Timmendorfer Strand ist nicht so unsere Welt. Etwas planlos steuern wir Rosinante durch die in dieser Jahreszeit sehr leeren Strassen der Ostsee-Badeorte. Wo hört hier was auf und wo fängt ein neuer Ort an??? Wo bitte ist das Wasser??? Wir sehen vor lauter Hotels, Ferienappartments, Restaurants und sonstigen Bauwerken weder Strand noch Ostseewelle. Ein Parkplatz für fast 7 meter Auto ist weit und breit nicht in Sicht oder „weitab vom Schuss“.

In Haffdorf werden wir dann doch noch fündig. Spaziergang am Strand. Muscheln, Steine und andere Strandläufer gibt es hier kaum. Über Travemünde schickt die Sonne ihre Strahlen durch die Wolkendecke, weit draussen ziehen die grauen Schemen der Schiffe über die Ostsee. Am Strand knattern zerzauste Fischerflaggen hinter verwaisten Strandhäuschen. Frühstück mit Blick auf die Ostsee.

Es zieht uns weiter. Neustadt i. Holstein. 2003 oder 2004 waren wir hier zuletzt. Stellplatz mit Blick aufs Binnenwasser. Vogelzwitschern am Morgen. Der Hafen ist verwaist, nur wenige Schiffe halten hier ihre Winterruhe. Ein ziemlich zerfledderter, rostiger Stahlträger zieht uns an: in 6 Metern Tiefe ist dieser Dalben beim Rammen auf urzeitliches Granitgestein gestossen und daran gescheitert. Eindrucksvoll erinnert er nun daran, was sich da unter dem Wasser und Hafenschlick vor unseren Blicken verbirgt.

Wieder haben wir hier einen „kost-nix“ Stellplatz ergattert. Der ist allerdings auch bei den PKW-Fahrern sehr beliebt, die gerne auch die langen Stellplätze blockieren. Gleichzeitig aber wohl befürchten, eingeparkt zu werden. Ein Toilettenhaus ist der einzige „Luxus“ den dieser Platz bietet. Immerhin. Und für uns zumindest die Möglichkeit, etwas Wasser in unseren leer gelaufenen Tank zu bringen. Ruhig ist es und nicht weit in die schöne Altstadt oder ins Hafengebiet Neustadts. Ob hier irgendwann auch die alten, grossen Hafengebäude weichen und einer Appartmentbebauung Platz machen müssen? Eckernförde fällt uns hier spontan als Beispiel für eine solche bauliche Veränderung ein. Dort sah es vor über 10 Jahren noch ähnlich aus wie hier. Der Anfang scheint gemacht. In einem alten Backsteingebäude sind Loft-Wohnungen, ein Geschäft und ein Sportstudio eingezogen. Die alten, im Pagodenstil erbauten Speicherhäuser, das im klassizistischen Stil erbaute Brückengeld-Haus, all diese Beispiele alter Baukunst werden aber ganz sicher erhalten bleiben.

  1. Oh ja, in Neustadt war ich auch dieses Jahr, mit der Lissi auf dem Törn von Dänemark, erinnere die meisten Bilder. Tapfer, Ihr mit dem Womo im Winter Lieber Gruß Wolfgang

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