Sitzen in der Sanduhr

„Ihr schreibt gar nichts mehr in eurem Blog“! Schwingt da ein leichter Vorwurf mit? Was soll ich denn bitte schreiben? Keine Reisen = keine wirklich neuen Erfahrungen/Erlebnisse/Ansichten. Gefangen in einer Sanduhr, die Tage rieseln so dahin, wie feiner Sand. Stetig, unaufhaltsam in einem gleichmässigen Tempo, unaufgeregt, unaufhaltsam. Ein Stück Lebenszeit, die wir gerne – wie so viele andere auch – mit anderen Aktivitäten gefüllt hätten. Zeit, die wir reisend, nicht sitzend und im Ort spazieren gehend, verbracht hätten. Hätte, hätte, Fahrradkette …… 

Die Welt steht kopf und wir stehen still. Wundern uns über all den Irrsinn, über die Massnahmen, die wir nur zum Teil nachvollziehen können. Über widersprüchliche Aussagen frei nach dem Motto „was gebb ich vor mei dumm Gebabbel von vorvorgestern….“. 

Nein, wir machen keine Vorwürfe, den Politikern nicht und auch den Beratern. Den echten und den sogenannten. Wir können und wollen nicht werten, nicht be-/verurteilen. Und doch scheint uns der gesunde Menschenverstand vieler Orts abhanden gekommen zu sein. 

Wir fühlen uns wie in einer Blase. Unser Leben ist wohlbehütet, geordnet, ohne Existenzängste, ohne Hunger und Durst. WIR müssen nur aufs Reisen verzichten. Ein Verzicht, der vielleicht auch ganz heilsam ist. Der neue Wertschätzung und neue Blickachsen ermöglicht. Wochenlanges zusammensein auf engem Raum – haben wir geübt, an Bord, während der Atlantiküberquerung. Aber dieses Mal fehlt ein wichtiger Faktor: das Meer, das Boot darauf und alles, was damit einhergeht. Es ist ähnlich und doch ganz anders. Und doch sind wir ganz froh, dass wir diese Zeit an Land, in unserem Zuhause aussitzen dürfen. Nach den Jahren der Unrast rasten wir nun in Extremform.  Und fühlen uns nicht wirklich schlecht dabei. Auch wenn wir, explizit ich, über die Maskenpflicht und andere Einschränkungen maulen. Jammern auf hohem Niveau – mit diesem meinem Lieblingsspruch erde ich mich dann ganz schnell wieder. Und geniesse den Anblick und den Duft des Flieders. Dokumentiere und schaue staunend, was da im Garten wächst und zu neuem Leben erwacht. Freu mich auf die Himbeeren und andere Früchte, die es dieses Jahr zu ernten geben wird und entwerfe neue Pläne für den Garten. Schreibe Einkaufslisten für die Gärtnerei, streiche, schreibe neu und kann mich nicht aufraffen, schon jetzt los zu legen. Zu viel Umbruch, zu viel unklares verstellt mir den Weg. 

Sprachlos hab ich mich gefühlt, die letzten Wochen. Schreibmotivation gen minus gehend. Alles in Frage stellend. Meine von mir selbst gefürchtete Kritikfähigkeit macht auch vor meiner eigenen Schreiberei nicht halt. Stattdessen lese ich viel, seichte Literatur, Romane, Sachbücher zum Thema Garten. Schaue Fotos durch, lasse vergangene Zeiten Revue passieren und finde Orte, die in meiner Erinnerung schon etwas verschüttet waren. Lasse Leuchttürme aufblitzen und Anker fallen. Bin dankbar für alles, was wir erlebt haben und bin besonders dankbar, dass wir jetzt immer noch zu zweit hier sitzen, als Paar, in Frieden, Vertrautheit und Gelassenheit. 

Die folgenden Fotos sind bei einem Spaziergang in Langwedel rund um das Häuslingshaus entstanden, ein denkmalgeschütztes Bauwerk, dessen Ursprung auf 1768 zurückgeht. Mehr dazu kann man unter diesem Link erfahren: http://www.touristik-langwedel.de/?page_id=1476

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