Spanien oder nicht Spanien

Spanien oder nicht Spanien

Es ist kalt in Frankreich. Nicht nur auf dem Mont Ventoux, auch in Salt hat es geschneit. Die Heizung läuft jeden Morgen und jeden Abend. Auf „nicht so warm“ hatten wir uns seelisch und moralisch eingestellt. Aber auf so kalt irgendwie nicht. Täglich wird die Wetterapp konsultiert und die Liste der Vergleichsorte wird immer länger.

In Gruissan ist der Stellplatz gross und im Winter gratis. Hier versammeln sich die ganzen dicken Brummer, oft auch noch mit Anhänger hinten dran. Slide-Out Wohnmobile, umgebaute wüstentaugliche Trucks, schrattelige Oldtimer wie Rosinante, Vans – hier trifft man die mobile Vagabundenwelt. Wasser gibt es, entsorgen kann man, Blick aufs Wasser, hinter uns Yachten. Fast perfekt, hier könnte man es einige Zeit aushalten. Könnte. Denn es ist lausekalt. Ein Wohnmobilist verkündet mit einer gewissen Genugtuung in der Stimme: „so einen kalten Winter hat er in 10 Jahren Frankreich noch nicht erlebt“. Ob’s stimmt? Ist uns eigentlich auch wurscht, für uns zählt schliesslich nur dieser Winter.

Die französische Gasflasche verspricht ja unbegrenzten Heizungseinsatz, Pullover, Jacken etc. haben wir ausreichend, fürs Bett gibt es dicke Decken und Wärmflasche. Wir sind schon vorbereitet. Aber mental, da sind wir es irgendwie dann doch nicht.

Wir sträuben uns, die Grenze nach Spanien zu queren. Hadern, wägen ab und wiegen die Köpfe hin und her. Sollen wir oder sollen wir nicht? Wie sind nochmal die Temperaturen derzeit in Cannes?

Alfons und Elvira trudeln ein. Mit ihrem VW-Bulli, der auf engstem Raum alles bietet, was auch ein grosses Wohnmobil hat. Wir sind begeistert. Aber auf unser gemütliches festes Bett möchten wir dann doch nicht verzichten. Und für Werner ist der Bulli dann auch etwas zu niedrig. Schon witzig. Die beiden leben in Cuxhaven, gar nicht so weit weg von uns. Aber in D haben wir es nicht geschafft, uns mal zu treffen. Als immer noch aktive Segler sind sie sommers mit ihrem Boot unterwegs und für den Winter gibt es jetzt die Bulli-Alternative. Es zieht sie weiter nach Süden, ihr Ziel ist Spanien. Wo sie zuletzt vor vielen Jahren mit dem Boot waren. Freude auf Tapas und Vino, auf spanische Lebensfreude. Vielleicht stecken sie uns ein klein wenig an?

Am anderen Morgen ist Abschied angesagt. Kurz aber herzlich war die Begegnung. Und wir beschliessen spontan, auch nach Spanien zu wechseln. Aber nicht so weit die Küste runter. Wir wollen auf jeden Fall wieder zurück nach Frankreich und snd erstmal nicht hoch motiviert, so arg viele Kilometer zwischen Grenze und uns zu bringen. Tarragona verspricht schon deutlich angenehmere Temperaturen. Also peilen wir diese Ecke erstmal an. Aber über 300 Kilometer am Stück fahren? Nee, das sind wir beiden Mädels ja gar nicht mehr gewohnt. Können wir das bitte splitten? Können wir. Und so landen wir in Montgri. Auf einem netten Stellplatz mit Dusche, Waschmaschine und Stromanschlüssen.

Auf dem Weg nach Le Perthuis, dem Grenzort der im Frühjahr so wahnsinnig überlaufen war, kommen wir den schneebedeckten Gipfeln nochmal näher. Aber nicht zu nahe und in Le Perthuis liegt kein Schnee. Los ist hier heute auch nix, ein paar Wohnmobile stehen auf den riesigen Parkplätzen. Auch im spanischen Grenzort ist es wohltuend ruhig. Getankt haben wir dieses Mal aber noch in Frankreich, zu sagenhaften 1,63!

Währenddessen sind die Segelfreunde schon 147 km weiter gelandet. Berichten, dass Strümpfe und Pullover ausgezogen wurden. Das lässt doch hoffen. Hier ist es immer noch grau und so gar nicht spanisch (vom Wetter her). Aber auch hier ist der Wunsch nach Heizungswärme schon nicht mehr so ausgeprägt.

Jetzt sind wir also doch in Spanien. Mal sehen, wie lange und wie sich das hier so entwickelt.

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