Sehnsuchtsküste

Von der Cote Bleue zur Cote d’Azur

Südfrankreich, Cote d’Azur – Sehnsuchtsort, Mythos, Legende. Treffpunkt der Schönen, Reichen, Berühmten. Filmschauspieler, Filmfestspiele in Cannes, Teure und schöne Yachten, die an Regatten teilnehmen in Port Grimaud und St. Tropez. Ein Fürstentum namens Monaco. Menton, das Paradies für Garten- und Pflanzenliebhaber. Grasse, das Mekka der Parfumeure. Die Liste lässt sich noch eine ganze Weile fortsetzen. Und klar, dass wir uns hier blicken lassen müssen, bei all den Berühmtheiten dürfen wir doch nicht fehlen ;-). 

Mein Papa war beruflich öfters hier und die Fotos aus dieser Zeit sind für immer in meinem Kopf. Der Papa in kurzer Hose und Sommerhemd neben dem Motorboot seines Chefs. Jeden Sommer verschwand er für einige Tage in dieses ferne Land voller Sommer und Sonne. Als Kind hab ich mich nicht so für die Geschichten und Erlebnisse an dieser Küste interessiert, heute kann er sie mir nicht mehr erzählen. Und trotzdem hat es eine Sehnsucht nach diesem Land geweckt, von der ich lange nicht wusste, dass sie in mir ist. 

Nun sind wir hier. Sind begeistert und fasziniert von der Landschaft, den Calanques, den Orten in den teils engen Buchten mit ihren kleinen Yachthäfen. Vom Lebensgefühl, den Pflanzen und und und. Savoir vivre. Sitzen in der Sonne mit Blick auf die Boote im Hafen. Die Hotels werden noch auf Vordermann geputzt und renoviert, die Restaurants sind teilweise ebenfalls noch im Winterschlaf.

In Cassis dagegen ist fast alles geöffnet. Auf einem Platz findet der wöchentliche Markt statt. Mit Ständen, die Kleidung, Käse, Wurst, Brot, Obst, Gemüse und vieles mehr anbieten. Und wo die Einheimischen einkaufen gehen, keine Touristen. Der Bouleplatz ist verwaist – noch. Nur ein Schild weist auf die Gefahren hin, die von diesem Platz ausgehen. Wie auch ein anderes Schild am Strandzugang darauf hinweist, dass man sich doch bitte in der Stadt nicht in Badekleidung blicken lassen soll. 

Die Brandung rauscht an den Strand und in die enge, felsgesäumte Hafenzufahrt. Die Boote zerren an ihren Festmachern im Takt der Wellen, die bis hinten an die Promenade laufen. Schwingen vor und zurück, tanzen elegant oder auch weniger auf dem Wasser. Die Gischt lugt ab und an über die Hafenmauer, umspielt den kleinen Leuchtturm auf dem Molenkopf. Und donnert richtig hoch gegen die Grundmauern der etwas weiter entfernt liegenden kleinen Festung. Ein Paar sitzt am Strand, geniesst seine Mittagspause, auf der Treppe zum Strand sitzt eine Frau und geniesst Windschutz und Sonne. Gibt es einen bessern Platz, um auszuruhen vom Tag, von der Arbeit? Mit diesem Blick, diesem Blau vor Augen? 

Die Häuser der Stadt ziehen sich die Hänge hinauf, steile Gassen winden sich zwischen den Grundstücken hindurch. Hohe, steil ins Meer fallende  Felsen engen den zur Verfügung stehenden Bauraum mächtig ein. Parkflächen sind knapp, die Stadt setzt auf Park & Ride am Ortsrand. Auch die Wohnmobile müssen draussen bleiben, dürfen auch nur auf schmalen, abschüssigen Parkstreifen entlang der von den Bussen stark frequentierten Strasse zum Lyzeum und zu den Sportanlagen stehen, auch über Nacht. 

Cassis – wo la vie douce ist, so süss wie das gleichnamige Getränk? Für viele der Bewohner sicherlich noch etwas süsser. Villen mit riesigen Zufahrten, durch hohe Tore gesichert. Das Auto des Personal Fitness Trainers steht davor, darf nicht aufs Grundstück fahren oder soll es vielleicht gesehen werden? 

Der Busfahrer nuschelt sich was zurecht, schaut irgendwie an mir vorbei auf meine Frage, ob er am Parkplatz Gourgettes hält. Die Madam hinter uns richtet es, wir sollen einsteigen. Schnell entwickelt sich ein Gespräch zwischen Busfahrer und Madam. Wo die Haltestelle „Gare“ ist, haben wir nicht entdeckt, aber wir kommen an unser persönliches Ziel, nur wenige Schritte von Rosinante entfernt. 

Wir nutzen den Rest des Tages und rauschen gen Six-Fours-les-Plages. Lassen Bandol und andere namhafte Orte rechts liegen, wundern uns darüber, dass wir so viele Höhenmeter und extreme Steigungen hinter uns gebracht haben und immer wieder meistern müssen. 

Der Stellplatz ist im Hafen, direkt vor der Capitanerie. Mit Strom, Zugang zu Duschen und Toiletten aber ohne eine VE-Station. Trotzdem sind wir happy, werden doch einige Wohnmobile nach uns nicht mehr aufs Gelände gelassen – alle Plätze belegt. Wir haben keinen direkten Blick auf Wasser und Strand, dafür aber über den Hafen. Ein Ort, an dem wir uns wohlfühlen. Und noch wohlfühlender wäre es, wenn wir eine kleine Altstadt in der Nähe hätten. Hier ziehen sich in erster Linie Apartmenthäuser die Strasse entlang. Und trotzdem ist die Szenerie reizvoll. Meer, Felsen, noch mehr Felsen weiter weg, Seezeichen – sowohl die unter- als auch die aufgehende Sonne tauchen alles in wundervolles Licht. 

2 Tage geniessen wir die Nähe zum Meer. Es ist nochmal kalt geworden, nachts und auch tagsüber. Wolken ziehen auf. Aber es bleibt trocken und erstaunlicherweise windstill. Selten genug, verfolgt uns der Wind doch irgendwie auf unserer Reise. Ist immer da, wo wir sind, kommt oder wartet schon auf uns. Lässt Rosinante wackeln und uns frieren, wenn wir uns nur mit den dünnen Jacken nach draussen wagen. Da fällt es auch der Sonne schwer, zu wärmen. 

Und trotzdem fühlt es sich gut an, hier in Frankreich, an der Cote d’Azur 

Fotos folgen!

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Erste Schritte